04.10. Schwerin ringt Wilhelmshaven nieder



Sonntag, den 04. Oktober 2009 um 14:38 Uhr
Schwerin (von
Björn Hengemühle)
-
Feierlaune in der Schweriner Sport- und Kongresshalle. Nach knapp
sechsmonatiger Umbauphase konnte der heimische SV Post mit einem verdienten
32:25-Erfolg über den Wilhelmshavener HV auch spielerisch die Neueröffnung der
eigenen Spielstätte positiv gestalten.
Über 2500
Zuschauer sahen allerdings eine über weite Strecken zerfahrene Partie, die erst
in der zweiten Hälfte an Tempo und Spielwitz aufnahm. Die Wilhelmshavener
hielten das Spiel bis kurz nach der Halbzeit offen, brachen dann aber
regelrecht ein und verzweifelten reihenweise an Post-Keeper Igor Levshin. Einen
dennoch ordentlichen Wiedereinstieg ins Team feierte WHV-Spielmacher Christian
Köhrmann (6). Für die Gastgeber trafen Christian Zufelde (7) und Danny Anclais
(6) am häufigsten.
Vier Spiele, 0:8 Punkte und zudem personelle Engpässe in fast allen
Mannschaftsteilen - der Saisonstart für den Wilhelmshavener HV hätte im Prinzip
nicht schlechter verlaufen können. Doch zum heutigen Auswärtsspiel beim SV Post
Schwerin konnte WHV-Coach Klaus-Dieter Petersen zumindest wieder auf Kapitän
Christian Köhrmann zurückgreifen. Der 29-jährige Linksaußen meldete sich nach
gut fünfwöchiger Verletzungspause wieder zurück im Spielbetrieb und stand den
Gästen ebenso wie der erst unter der Woche verpflichtete Sven Seidler zur
Verfügung.
Und Petersen schenkte beiden Akteuren von Beginn an das Vertrauen, zunächst
allerdings nur im Abwehrverbund. Doch da leisteten sie schon recht ansehnliche
Arbeit, hatten aber an der ersten Schrecksituation auf Seiten der Schweriner
eher passiven Einfluss. Rückraumschütze Aurel Witt verletzte sich beim Torwurf
und musste mit Verdacht auf Luxation der rechten Schulter bereits nach einer
Spielminute das Parkett verlassen. Seine Kameraden verkrafteten den Ausfall
durchwachsen. Zwar konnten die Hausherren durch den in den vergangenen Wochen
überragenden Danny Anclais mit 1:0 in Front gehen, doch die Gäste boten energisch
Paroli.
Vor allem Evgeny Vorontsov nutzte die zahlreichen in der ersten Hälfte
vorhandenen Freiräume. Besonderes Augenmerk galt hierbei dem Kombinationsspiel
mit Moritz Barkow, der den flinken Linkshänder regelmäßig sehenswert in Szene
setzte. Über die Stationen 5:5 (11.) und 7:7 (17.) hielten beide Teams das
Remis aufrecht. Dies war allerdings mehr den technischen Fehlern auf beiden
Seiten geschuldet, als einer ausgeglichenen Partie auf hohem Niveau. Nachdem
Anclais vom Siebenmeterpunkt an Eilts scheiterte (17.), nutzte Vorontsov mit
einem gefühlvollen Heber über den bis dahin glücklosen Post-Schlussmann Igor
Levshin die Chance zur ersten Gästeführung.
Während Dirk Beuchler seiner nun zunehmend abbauenden ersten Garnitur einige
Minuten Verschnaufpause verabreichte, reihte sich aber auch die zweite Reihe in
dieses Schema ein. Überhastete Abschlüsse, Fangfehler und vor allem eine zu
geringe Gefahr in den Offensivaktionen prägten das Bild der Hausherren. Dies
nutzten die Wilhelmshavener, um sich innerhalb von acht Minuten bis auf 12:8
abzusetzen. Insbesondere der wiedergenesene Köhrmann nutzte seinen Freiraum in
der Rückraummitte konsequent aus. Doch ausgerechnet nach der Auszeit Petersens
(25.) drehten die Schweriner auf. Mit vier Treffern in Serie kamen die
Mecklenburger noch in der ersten Hälfte zum erneuten Ausgleich.
Den besseren Start in die zweite Hälfte erwischten dann jedoch wieder die
Gäste. Immer wieder war es Köhrmann, der den Raum gewinnbringend nutzen konnte
(14:16 - 36.). Doch Dank einer enormen Leistungssteigerung von Levshin, der in
nur zehn Minuten so viele Würfe entschärfen konnte, wie im gesamten ersten
Durchgang, ließen die Schweriner den Post-Express heißlaufen. Den
14:16-Rückstand münzten die Beuchler-Mannen innerhalb von sieben Minuten in
eine 21:16-Führung um, wenig später war der Sack bereits zu (25:19 / 49.).
Levhsin nahm der WHV-Offensive jeglichen Optimismus, reihenweise leitete der
Russe im Post-Kasten die Tempogegenstöße ein. Nutznießer waren insbesondere die
beiden Außen, Christian Zufelde und Danny Anclais.
Auch Mittelmann Johannes Prothmann verdiente sich im Sog seiner Teamkollegen
Bestnoten. Der Youngster führte nicht nur klug Regie, er nutzte auch seine
Chancen konsequent aus. (46.). Den Gästen fiel dagegen nichts mehr ein. Der
Wechsel von Fabian Hesslein auf Rechtsaußen und dafür Vorontsov im rechten
Rückraum blieb ebenso ergebnislos wie der Torwartwechsel (Krechel für Eilts).
Einzig Köhrmann konnte mit seinen einfachen Toren noch annähernd Paroli bieten.
Am Ende feierten die knapp 2.500 zusammen mit der Mannschaft und bei Freibier
einen verdienten 32:25-Erfolg.
Trainerstimmen:
Dirk Beuchler: Unsere Mannschaft hat sich nach dem sehr guten
Saisonstart auch vor den eigenen Zuschauer gut präsentiert, das war uns
wichtig. Mit der 6:0-Deckung sind wir zunächst nicht wirklich gut zurecht
gekommen, so war die Aufholjagd am Ende der ersten Hälfte auch ein wenig
glücklich. In der zweiten Halbzeit habe ich dann offensiver decken lassen,
womit die Wilhelmshavener ihre Schwierigkeiten hatten. Am Ende war es eine
geschlossene Mannschaftsleistung, mit der ich sehr zufrieden bin.
Klaus-Dieter Petersen: Wir sind gut ins Spiel gekommen, waren bis zur 24. Minute die bessere
Mannschaft. Danach haben wir den Gegner durch zahlreiche Fehler selber
aufgebaut und viel zu einfache Tore kassiert. In der zweiten Halbzeit haben wir
zwei frühe Zeitstrafen bekommen und lagen schnell mit 16:21 hinten. Als
Tabellenschlusslicht steht man in solche einer Situation natürlich nicht
hochmotiviert auf dem Platz. Dennoch habe ich positive Ansätze gesehen. Wir
mussten hier nicht gewinnen, ein Punkt wäre dennoch toll gewesen. Nächste Woche
sind wir zu Hause gefordert und müssen unbedingt punkten.
Torschützen Schwerin: Zufelde (7), Anclais (6), Ladig (4), Prothmann (4), Axelsson (3), Heinze
(2), Riediger (2), Koop (2), Rauch (1), Zisler (1)
Torschützen Wilhelmshaven:- Köhrmann (6), Barkow (6), Drechsler (4), Vorontsov
(4), Schröder (2), Hesslein (2), Waschul (1)
Siebenmeter: 1/3 - 2/4
Zeitstrafen: 6/5
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